Die Notbremse wurde gezogen - Jürg Stahl übernimmt bei Sion 2026 das Zepter | SPORT.FORUM.SCHWEIZ

Die Notbremse wurde gezogen - Jürg Stahl übernimmt bei Sion 2026 das Zepter

Aargauer Zeitung

07. Dezember 2017

Der Wechsel zum Winterthurer Stahl, der bisher als Vizepräsident im OK mitwirkte, ist eine Notbremse, um die umstrittene Kandidatur mit einem angeschlagenen Chef nicht mehr in die Negativschlagzeilen zu ziehen. Das sieht auch Jean-Philippe Rochat so: «Die Diskussionen um meine Person schwächen das Projekt, das zu einem Erfolg werden soll.»

Jürg Stahl, Präsident von Swiss Olympic und SVP-Nationalrat, übernimmt von Jean-Philippe Rochat den Vorsitz im Bewerbungskomitee für Olympische Winterspiele 2026 in der Schweiz.

Der Waadtländer Rochat war in den letzten Wochen in Westschweizer Medien wegen seines Erscheinens in den sogenannten «Panama-Papers» massiv in die Kritik geraten.

Will man Gerüchten Glauben schenken, wurde die Kampagne gegen ihn ausgerechnet von einem ehemaligen Mitstreiter im Komitee «Sion 2026» orchestriert.

Federer und Spuhler sollen helfen
Andererseits ist es ein Versuch, der Olympiabewerbung einen gesamtschweizerischen Anstrich zu verleihen und den nur lokal bekannten Rochat mit einer national geläufigen Persönlichkeit zu ersetzen.

Das OK ist in den letzten Wochen übrigens auf der Suche nach prominenter Unterstützung für eine Schweizer Kandidatur auch noch ganz andere Namen angegangen. Roger Federer etwa oder den erfolgreichen und beliebten Bahnunternehmer Peter Spuhler.

Swiss Olympic und Kandidatur
Jürg Stahl wird sich künftig neben seinem politischen Engagement als Nationalrat vollumfänglich Swiss Olympic und der Kandidatur widmen. Er hat das Arbeitsverhältnis als Direktionsmitglied mit dem Versicherer Groupe Mutuel deshalb aufgelöst.

Seine Abschiedsvorstellung gab Jean-Philippe Rochat in der letzten Woche in Luzern, wo er mit seinem Auftritt am Sport Forum Schweiz Unternehmer aus der Sportbranche von den olympischen Ideen überzeugen wollte.

«Ohne die Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees hätte es unsere Kandidatur nicht gegeben», sagt der Lausanner Anwalt. Für die Spiele rechnet er mit dem notwendigen Einsatz von bis zu 20 000 freiwilligen Helfern und einem wirtschaftlichen Effekt für die Schweiz von 2,1 bis 2,8 Milliarden Franken.

Aus dem vorgesehenen Olympiabudget von 1,976 Milliarden Franken sollen 100 Millionen in eine spezielle Stiftung für ein nachhaltiges Vermächtnis der Spiele fliessen.

100 Millionen mehr vom IOC?
Das IOC muss den Beweis erbringen, dass seine Agenda 2020 für einen Weg zurück zu bescheidenen Spielen funktioniert. Deshalb befindet sich die Schweizer Kandidatur, die genau die gesuchten Werte verkörpert, in einer wohl einmalig starken Position.

Das OK von «Sion 2026» versucht, diese Ausgangslage gewinnbringend einzusetzen. Jüngst hat man beim IOC in Lausanne die Forderung deponiert, die Schweizer Spiele zusätzlich zu den bereits garantierten 525 Millionen mit weiteren 100 Millionen Franken zu unterstützen.
Es braucht noch viel Überzeugungsarbeit

Die Antwort steht noch aus. Rochat ist sich bewusst, dass auf die Olympia-Macher bis zur nächsten Hürde, der Volksabstimmung im Kanton Wallis vom 10. Juni, noch viel Überzeugungsarbeit wartet.

«Um im Herbst im nationalen Parlament eine Chance zu haben, müssen wir im Wallis nicht nur gewinnen, sondern überzeugend gewinnen. Mit mindestens 60 Prozent», sagt Rochat. Mit seinem eigenen Rücktritt rückt dieses Ziel einen kleinen Schritt näher.